Über Ziele, Erfolge und Misserfolge

Ich bin ein totaler Ziele-Mensch. Ich arbeite quasi nur und in jedem Lebensbereich mit Zielen. Ob langfristig, wenn ich meine Ziele fürs kommende Jahr definiere, oder kurzfristig, wenn ich meine Tages-To-Do-Liste erstelle. Das tolle an Zielen ist, dass sie uns dabei helfen, unseren Weg so zu gehen, wie wir es uns vornehmen. Sie erinnern uns immer wieder an das, was uns wichtig ist und lenken uns in die richtige Richtung, wenn wir planlos dastehen. Gleichzeitig bringen sie aber auch sehr gemischte Gefühle mit sich. Haben wir ein Ziel erreicht, macht es uns glücklich, stolz, wir fühlen uns erleichtert und gestärkt. Wir feiern einen kleinen oder großen Erfolg. Doch was, wenn wir ein Ziel nicht erreichen? Oder noch schlimmer, auf halber Strecke merken, dass wir es in der geplanten Zeit gar nicht mehr schaffen können? Ist das dann ein Misserfolg?

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Vor dieser Frage stand ich in letzter Zeit öfter. Einmal vor meinem dreiwöchigen Urlaub in Thailand. Einmal vor genau zwei Tagen. Vor meinem Urlaub hatte ich eine proppenvolle To Do Liste und war fest entschlossen, diese vor meinem Abflug abzuarbeiten. Bis ich irgendwann dasaß und merkte, dass mir diese überfüllte Liste die komplette Vorfreude auf den Urlaub nahm. Denn je weiter es auf den Urlaub zuging, desto gestresster wurde ich. Und statt aufs Abflugdatum hinzufiebern (wie es sein sollte), ärgerte ich mich über jeden Tag der verging und mich meiner selbst gesetzten Deadline näher brachte. Also habe ich einen Schlussstrich gezogen. Ich habe meine To Do Liste zur Hand genommen und radikal alle Aufgaben davon gestrichen, die nicht zwingend vor meinem Urlaub erledigt werden mussten.

Wie unglaublich erleichtert ich mich danach gefühlt habe, finde ich noch heute total verrückt. Schließlich bin ich mein eigener Chef, muss sowieso nur Aufgaben erledigen, die ich mir selbst auftrage. Und trotzdem fühlte ich mich, als hätte mir jemand einen riesigen Gefallen getan und mir eine Last abgenommen. Nur dass es ich selbst gewesen war.

Aber genau das macht es uns wahrscheinlich so schwer: Selbst einzusehen, dass bestimmte Ziele einfach nicht mehr zu erreichen sind, ohne sich verrückt zu machen und schlaflose Nächte zu verbringen. Und dann auch so mutig zu sein, die eigens definierten Ziele zu verschieben und fürs erste auf Eis zu legen. So mutig zu sein, dies nicht als Misserfolg zu deuten, sondern als notwendige Maßnahme fürs eigene Wohl und als Akt aus Liebe zu sich selbst zu sehen.

Auch vor zwei Tagen habe ich wieder eine solche Entscheidung getroffen. Es ging um ein großes Projekt, das ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte. Seit Wochen arbeitete ich (bisher vor allem in meinem Kopf und auf Listen) daran, es umzusetzen. Gleichzeitig quoll meine To Do Liste aber noch mit zigtausend anderen spannenden Projekten und Aufgaben über, die dieses Jahr unbedingt noch erledigt werden müssen. Erst vor zwei Tagen kam mir plötzlich der Gedanke: Was, wenn ich dieses eine Projekt einfach aufs nächste Jahr verlegen würde?

Zuerst meldete sich mein Ziele-Ich zu Wort. Mein Ziele-Ich fand die Idee natürlich nicht so berrauschend, denn es gibt sehr ungerne auf, wenn es sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Doch gegen die nächsten Gedanken hatte es auch nichts mehr entgegenzubringen. Die Umsetzung meiner Idee (mal wieder eines Herzensprojekts) würde unter den gegebenen Umständen nämlich weder Spaß machen, noch würde es qualitativ so werden, wie ich es mir vorstellte. Weil es zeitlich einfach nicht drin war. Wo war also noch der Sinn dahinter?

Seitdem fühle ich mich wieder, als wäre mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen und ich kann mich sogar wieder auf das Projekt freuen. Im nächsten Jahr. Es kribbelt wieder in mir, wenn ich daran denke, statt Panik in mir auszubreiten. Ein wunderbares Gefühl.

Warum erzähle ich euch das? Weil ich mir sicher bin, dass es euch mit der ein oder anderen Sache auch so geht. Es muss ja gar nicht nur um berufliche Ziele gehen. Es kann auch das eine Fotoalbum sein, dass du endlich noch fertig kleben wolltest. Oder dein Desktop, den du seit Wochen ordnen willst. Oder die eine Buchliste, die du immernoch nicht abgearbeitet hast. Wenn es dich mehr stresst, als nötig, wenn es dir einfach nur noch ein schlechtes Gefühl gibt, dann sei auch mal so mutig, es sein zu lassen. Streich dein To Do einfach von der Liste. Setze es auf eine neue Liste, vielleicht für nächste Woche, vielleicht für nächstes Jahr.

Es bringt nichts, verbissen irgend welche Ziele abzuarbeiten, wenn der eigentliche Sinn dahinter dabei komplett untergeht.

Manchmal kommt eben das Leben dazwischen. Und das ist auch okay so!

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Comments

  1. Schöner Post und ich kann deine Gedanken sehr gut nachempfinden! :) Bin zwar eigentlich auch niemand, der Sachen gerne aufschiebt, aber manchmal ist das völlig okay. An meinem Fotoalbum beispielsweise möchte ich schon so lange weiterbasteln, aber momentan stresst mich das eher und dann würde die Qualität leiden. :D

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