Wie ich zur Selbstständigkeit gekommen bin

„Boah du bist echt mutig!“ – „Ich bewundere das voll, wie du das einfach so machst“ – „Also ich würde mich das ja nie trauen“. Das sind wohl die Sätze, die ich in den letzten Monaten am häufigsten gehört habe, wenn es um Berufliches ging. Dabei finde ich es gar nicht unbedingt so mutig oder bewundernswert und ich glaube auch, dass sich jeder trauen würde, der es tatsächlich auch so will. Bei mir kam die Entscheidung, mich selbstständig zu machen tatsächlich auch nicht einfach so über Nacht. Es war ein längerer Prozess, ein mit mir selbst Ringen, ein Nachdenken und Abwägen. Und heute gebe ich euch einen kleinen Einblick in diese Zeit, weil viele von euch immer wieder Interesse daran hatten. Heute erzähle ich euch, wie ich zur Selbstständigkeit gekommen bin.

Wie ich zur Selbstständigkeit gekommen bin

Was ich noch vor einem Jahr dachte

Vor etwas mehr als einem Jahr steckte ich noch mitten im Studium. Meine Masterarbeit hatte ich zwar schon geschrieben, aber es waren noch ein paar Seminare offen, die ich mir für mein Auslandssemester in Dublin aufgehoben hatte. Zu der Zeit habe ich auch noch als Werkstudentin bei einer großen Werbeagentur in München gearbeitet und hatte dort super viel Spaß. Einen ganz konkreten Plan gab es noch nicht, außer: Erstmal geht’s für ein halbes Jahr nach Dublin und dann muss ich eben schauen, was ich finde. Ich hatte also noch die „klassische“ Vorstellung davon, dass ich mir im Bereich meines Studiengangs dann auch einen festen Job als Angestellte suchen würde. Nur so ab und zu kam bei nächtlichen Gesprächen mit meiner Mitbewohnerin – in den Momenten, in denen man auch mal nachdenkt, was man eigentlich wirklich will – das Thema zur Rede, dass ich den Blog natürlich auf keinen Fall aufgeben wollen würde. Mir war aber auch klar, dass es gar nicht so einfach werden würde, neben einem 40 Stunden Job noch alle Aufgaben, die durch den Blog anfallen, mit unterzubringen. Aber das war wie gesagt nur so ein Hintergedanke. Einen festen Plan gab es noch lange nicht.

Der Wendepunkt: Meine Zeit in Dublin

Als dann im Januar letzten Jahres mein Auslandssemester in Dublin anstand, wollte ich noch etwas finden, das ich arbeitstechnisch von Dublin aus machen konnte, um ein bisschen etwas dazuzuverdienen. Also schrieb ich ein paar Firmen an, ob sie nicht jemanden suchten, der sie redaktionell für ihre Magazine und Unternehmensblogs unterstützen würde. Und so fand ich ein paar erste Kunden, von denen ich als „freie Redakteurin“ Aufträge entgegennehmen konnte. Das war sozusagen der Wendepunkt, da ich so merkte: Es macht mir unheimlich viel Spaß, kreative Dinge für Kunden umzusetzen, gleichzeitig aber „mein eigener Chef“ zu sein und mir die Arbeit frei von zuhause aus einteilen zu können. Trotzdem machte ich mir in der Zeit in Dublin noch keine wirklich konkreten Gedanken, da ich dort einfach meine Zeit und meine Freiheit genießen wollte.

Meine Findungsphase: Zurück in München

Und dann war es plötzlich vorbei, das Auslandssemester. Und somit war auch der Moment gekommen, vor dem ich schon sehr lange sehr viel Respekt gehabt hatte: Das Ende meines Studiums und die Zeit, in der man wissen muss, was man jetzt eigentlich macht. Das war keine einfache Zeit: In Dublin war ich frei, lebte einfach in den Tag rein, genoss die Erlebnisse und alle Abenteuer. In München zurück fragte mich jeder, den ich traf: „Und wie geht’s jetzt eigentlich weiter? Hast du schon einen Job gefunden?“ Ich wusste mittlerweile, dass ich den Blog (und alles was sich daraus ergeben hatte) sowie meine freiberuflichen Sachen nicht aufgeben wollte, weil es mir dafür einfach zu viel Spaß machte. Also hatte ich die Entscheidung getroffen, erstmal etwas in Teilzeit zu finden. Einen 20- oder höchstens 30-Stunden Job, neben dem ich das weitermachen und weiterentwickeln konnte, was mich wirklich erfüllte. Es folgte die nervenreibende Bewerbungszeit. Viele Bewerbungsschreiben, viele Gespräche, viele Zweifel und Gedanken, die hin und her sprangen. Ich hatte sogar zwei Jobs in Aussicht, die prinzipiell perfekt auf das gepasst hätten, was ich suchte: 20 Stunden, von den Aufgaben und dem Tätigkeitsbereich passend zu meinem Studium, coole Unternehmen. Aber trotzdem hatte ich immer ein komisches Gefühl im Bauch. Es wollte irgendwie nicht so ganz passen – zumindest nicht von ganzem Herzen – obwohl mein Kopf sagte: Naja, das musst du doch annehmen!

Der Sprung ins kalte Wasser

Ich glaube, tief in mir drin hatte ich mir schon lange gewünscht, mich einfach selbstständig zu machen. Aber mein Kopf sagte: Wer weiss denn, ob du überhaupt davon leben kannst? Wer macht sich denn schon direkt nach dem Studium selbstständig? Ohne wirkliche Rücklagen und ohne großen Plan? Doch plötzlich kam mir der Gedanke: Warum denn eigentlich nicht? Also setzte ich mich hin, packte meine Unterlagen aus dem Business-Plan-Kurs aus, den ich mal an der IHK absolviert hatte, rechnete alles durch, machte mir zum ersten Mal konkrete Gedanken und schrieb alles auf. Und plötzlich war der Traum gar nicht mehr so sehr Traum, sondern eigentlich Realität, die ich nur noch greifen und wahr werden lassen musste. Plötzlich kamen mir ganz andere Fragen in den Sinn: Warum sollte es eigentlich nicht klappen? Und was ist schon das schlimmste, was passieren kann? Wenn es nicht läuft, kann ich mir doch immernoch einen festen Job suchen. Es ist ja schließlich nichts in Stein gemeißelt. Also sagte ich die offenen Stellen ab, bei denen ich eine Zusage bekommen hatte und stürzte mich einfach ins kalte Wasser. Ich hatte zwar auch dann noch ziemlich Angst, aber tief in mir drin war ich einfach nur befreit und glücklich.

Wie es mir jetzt damit geht

Und wie geht es mir jetzt damit? Ich bin einfach nur glücklich. Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Klar gibt es Tage, an denen ich mir Sorgen mache oder es mich belastet, dass man nicht alles planen kann. Dass ich nicht weiß, wie viel Geld ich im nächsten Monat auf dem Konto haben werde. Aber bisher läuft es sehr gut und so oft denke ich mir: Wow, ich bin einfach so happy, dass ich das machen kann, was ich liebe. Und das ist für mich persönlich so viel mehr Wert, als Sicherheit.

Ich weiß, dass selbstständig sein nicht für jeden etwas ist und viele finden ja auch ihre Erfüllung in einer Festanstellung. Aber wenn ihr selbst davon träumt und es nur daran scheitert, dass ihr euch nicht traut, dann macht es einfach! Natürlich solltet ihr einen Plan haben und ihr solltet davon Leben können. Aber alles kann man einfach nicht vorhersagen und manchmal muss man eben erstmal loslegen um zu sehen, wie glücklich es einen macht.

Ich hoffe, ich konnte euch so einen kleinen Einblick geben und vielleicht dem ein oder anderen auch etwas Mut machen. Interessieren euch solche Beiträge? Würdet ihr auch gerne mal lesen, was ich eigentlich genau arbeite?

 

Newsletter

Monatlich exklusive Behind the Scenes Eindrücke und ein Special DIY oder Lettering!

Comments

  1. Schöner Beitrag und wirklich interessant zu lesen wie andere zu dem Entschluss gekommen sind. Wie du arbeitest würde mich auf jeden Fall auch interessieren :)

  2. Hi Lea, das klingt tatsächlich wahnsinnig inspirierend und ich freue mich für dich, dass es so gut bei dir läuft. Drück dir die Daumen, dass es auch weiterhin so gut klappt.

    Liebe Grüße,
    Janina

  3. Sehr interessant, scön das du dich dafür entschieden hast und nun tatsächlich deinen Traum leben könntest. Au deine Frage: Ja, ich würde es spannend finden einen Post zu lesen, was genau bzw. wie genau du nun arbeitest=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  4. Wirklich spannend zu lesen, wie du zu deiner Entscheidung gekommen bist! Mich würde auch brennend interessieren, was du eigentlich genau machst. Ach, was hast du eigentlich studiert und in der Werbeagentur gemacht? Bin ja gar nicht neugierig ;-)
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog und deiner Arbeit!
    Herzliche Grüße :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Copyright © 2018 · Rosy & Grey