Aquarell Material für Anfänger: Das brauchst du wirklich

Instagram & Co sind gerade voll davon: Farbenfrohe Blüten und Blätter, moderne Aquarellmotive wie Donuts und Wale, Aquarell Lettering oder Mixed Media Illustrationen… Vielleicht hast du den neuen Trend der modernen Aquarell-Malerei schon entdeckt oder bereits selbst ausprobiert! Und vielleicht hast du dich bei der umfangreichen Materialauswahl, die es auf dem Markt gibt, auch schon gefragt: Was brauche ich wirklich an Material? Was muss ich mir zulegen, wenn ich kompletter Anfänger bin? Und das auch noch am liebsten, ohne hunderte von Euro auszugeben.

Aus diesem Grund habe ich diesen Artikel mit meinen absoluten Empfehlungen zu Aquarell Material für Anfänger verfasst. Du sollst hier also nicht nur einen Überblick bekommen, was gutes Material ausmacht und wodurch es sich von „schlechterem“ Material unterscheidet, sondern am Ende auch genau wissen, was du dir kaufen solltest, um direkt loszulegen!

Aquarell MAterial für Anfänger

Qualitätsstufen bei Aquarell Material

Grundsätzlich lässt sich unser Aquarell Material (sei es Papier, Pinsel oder Farben) in verschiedene „Qualitätsstufen“ aufteilen:

  • Stufe 1 – Noname Produkte oder Produkte von „Nicht-Künstlerbedarf-Herstellern“: Hierbei handelt es sich um Aquarell Material, das von Herstellern oder Kaufhäusern angeboten wird, die nicht auf Künstlerbedarf spezialisiert sind. Ein Beispiel dafür wären Aquarellpinsel von Rossmann, Ikea oder ähnlichem. Grundsätzlich kannst du dieses Material schon ausprobieren, allerdings sind die Ergebnisse damit oft frustrierend, deshalb würde ich es nicht empfehlen. (Auch wenn es sicherlich Ausnahmen gibt. Aber sicher ist sicher ;)
  • Stufe 2 – Study Level Produkte: Hierbei handelt es sich um günstigere Einsteiger-Produkte von sehr guten Künstlerbedarf-Herstellern. Diese eignen sich wunderbar für Anfänger, denn du kannst damit schon sehr schöne Ergebnisse erzielen, ohne gleich die teuersten Produkte kaufen zu müssen. Ein Beispiel dafür wären die Produkte aus der Cotman Serie von der Qualitätsmarke Winsor & Newton.
  • Stufe 3 – Professional Level Produkte: Hierbei handelt es sich um die höchsten Qualitätsprodukte von Künstlerbedarf-Herstellern. Sie sind zwar meist sehr teuer, aber auch hier ist ein deutlicher Unterschied sichtbar.

Ich empfehle dir, gleich in Produkte aus der Stufe 2 (Study Level Produkte) zu investieren, um mit guten Ergebnissen einzusteigen. Nach und nach kannst du dann auch dein Sortiment um Professional Level Produkte erweitern. Meiner Meinung nach gilt allgemein die Regel: Qualität vor Quantität! Lieber weniger Farben und Pinsel, aber dafür guter Qualität!

Aquarell MAterial für Anfänger

Aquarell Papier

Wie auch beim Lettering ist beim Aquarell unsere „Basis“ für allen Erfolg das richtige Papier. Hier gibt es eine unglaublich riesige Auswahl am Markt, deshalb erstmal ein kurzer Überblick über die Beschaffenheiten, die verschiedene Aquarell Papiere unterscheiden:

Grammatur:

Die Grammatur des Papiers entscheidet, wie „dick“ das Papier ist. Bei Aquarellpapier liegt diese klassischerweise zwischen 200g/m² und 350g/m². Es gibt auch Papier mit einer niedrigeren oder höheren Grammatur, wobei man sagen kann, dass Papier mit einer höheren Grammatur meist sehr teuer ist (dafür natürlich auch hochwertiger). Die Grammatur sollte aber nicht unter 180g/m² liegen, weil sich das Papier sonst zu schnell wellt.

Leimung:

Die Leimung entscheidet darüber, wie gut das Papier Wasser aufnehmen kann, ohne sich zu wellen. Zum einen ist deshalb die Leimung der Oberfläche des Papiers wichtig, aber auch die der Seiten des Papiers. Besonders hochwertiges Papier ist an allen vier Seiten geleimt (und muss dann mit einem spitzen Messer vom Block abgetrennt werden). Dieses eignet sich deshalb umso besser für sehr „nasse“ Techniken. Ein kleiner Tipp: Sollte dein Papier (wie die meisten Einsteiger Papiere) nur an einer Seite im Block geleimt sein, kannst du das Blatt abtrennen und mit Malerkrepp oder Masking Tape auf deiner Arbeitsfläche fixieren. Das sorgt dafür, dass es sich nicht so leicht wellt.

Oberflächenstruktur:

Einer der wichtigsten Faktoren, wodurch sich Aquarell Papier unterscheidet, ist die Oberflächenstruktur. Diese hat nichts mit der Qualität des Papiers zu tun! (Es gibt also sowohl günstigeres als auch hochwertigeres Papier in allen drei Strukturen). Die verschiedenen Strukturen sind vielmehr für unterschiedliche Techniken geeignet:

  • Satiniert (Hot pressed): Dieses Papier hat eine sehr glatte Oberfläche und eignet sich eher für Aquarell Lettering oder Mixed Media (Kombination von Finelinern oder Brushpens mit Aquarell). Für moderne Aquarellmalerei würde ich es dagegen weniger empfehlen.
  • Matt (Cold Pressed): Dieses Papier hat eine leicht raue bzw. strukturiertere Oberfläche und eignet sich sehr gut für Aquarell Anfänger.
  • Rau (Rough): Dieses Papier ist besonders strukturiert und eignet sich deshalb eher für Fortgeschrittene, denn der Farbauftrag ist etwas schwieriger als beim matten Papier.

Meine Empfehlungen:

  • Für kleine Aquarell-Werke in Postkartengröße, die du leicht an deine Liebsten verschicken kannst eignet sich zum Beispiel der DinA6 Aquarellblock von Tritart.

Übrigens: Es erreicht mich immer wieder die Frage, ob Aquarellpapier unbedingt notwendig ist, oder ob auch anderes Papier verwendet werden kann. JA, Aquarellpapier ist das A & O für deinen Erfolg bei der modernen Aquarellmalerei! Kein anderes Papier wird die Farben und das Wasser so aufnehmen, dass du schöne Verläufe erzielst, ohne sich zu wellen oder aufzulösen.


Aquarell MAterial für Anfänger

Aquarell Pinsel

Mindestens genauso wichtig wie gutes Papier ist ebenfalls ein guter Aquarell Pinsel. Denn dieser ist unser Werkzeug, mit dem wir arbeiten. Und mit einem „schlechten“ Werkzeug ist es schwierig bis unmöglich, gute Ergebnisse zu erzielen!

Es gibt unterschiedliche Arten von Pinseln, bei der modernen Aquarellmalerei arbeite ich jedoch fast ausschließlich mit Rundpinseln. Zusätzlich macht eventuell noch ein Flachpinsel für einen gleichmäßigen Farbauftrag bei größeren Flächen (Hintergründe, usw.) Sinn. Für Aquarell Lettering eignet sich außerdem ein Wassertankpinsel.

Was macht einen guten Pinsel aus?

Es gibt drei Dinge, die einen guten Pinsel auszeichnen. Erstens, dass er seine Haare nicht verliert. Zweitens, dass der Pinsel das Wasser bzw. die Farbe gut hält: So musst du nicht nach jedem Strich wieder Farbe aufnehmen. Drittens – das gilt vor allem für Rundpinsel – wie die Spitze geformt ist: Je „spitzer“ die Spitze vorne ist (und vor allem auch bleibt), desto dünnere Striche kann ich damit ziehen. Somit ist die Bandbreite eines guten Pinsels auch viel höher, denn ich kann mit einem relativ großen Pinsel nicht nur sehr dicke und mitteldicke Striche, sondern auch ganz dünne Striche malen.

Echthaar vs. Kunsthaar

Klassischerweise gelten Echthaarpinsel als qualitativ hochwertiger, als Kunsthaarpinsel. Als der absolute „Profi-Pinsel“ wird dabei der Kolinsky-Rotmarder Pinsel gesehen. Allerdings hat sich der Markt so entwickelt, dass es mittlerweile extrem gute Kunsthaarpinsel gibt. Ich persönlich sehe beim Malen keinen deutlichen Unterschied zwischen einem guten Kunsthaar- und einem Echthaarpinsel. Abgesehen davon, dass letztere teurer sind, finde ich es auch mit meiner Tierfreundlichkeit leichter vereinbar, Kunsthaarpinsel zu benutzen ;)

Meine Empfehlungen für Anfänger

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit den Cotman Serie 111 Pinseln von Winsor & Newton* gemacht. Außerdem kann ich auch die Nova-Serie von Da Vinci* empfehlen. Vor kurzem entdeckt und für sehr gut befunden habe ich auch den Kolintik-Aquarellpinsel aus dem Hause Boesner! Pinsel kannst du entweder einzeln oder im Set kaufen. Solltest du erstmal nur einen Pinsel kaufen wollen, empfehle ich dir einen Rundpinsel in Größe 8. Solltest du mehrere Pinsel kaufen, dann empfehle ich dir einen Mix aus kleineren und größeren Rundpinseln (z.B. Größe 2, 6, 8 und 12).

Solltest du dir einen Wassertankpinsel zulegen wollen, kann ich dir den Pentel Aquash Brush* empfehlen, diesen gibt es in unterschiedlichen Größen. Ich persönlich bevorzuge für die moderne Aquarellmalerei „echte“ Pinsel, da ich damit das Farb-Wasser-Verhältnis besser kontrollieren kann. Ein Wassertankpinsel ist aber super, wenn du zum Beispiel unterwegs bist und kein extra Wasserglas mitnehmen möchtest. Auch für Aquarell Lettering nutze ich gerne einen Wassertankpinsel.


Aquarell MAterial für Anfänger

Aquarell Farben

Gute Aquarell Farben zeichnen sich primär durch eine hohe Pigmentierung, Farbintensität sowie Lichtbeständigkeit aus. Grundsätzlich empfehle ich dir, Farben aus der Qualitätsstufe 2 (Study Level) oder Stufe 3 (Professional Level) zu wählen. Denn nichts ist frustrierender, als wenn du dein Motiv richtig gut hinbekommst, die Farben aber nach dem Trocknen matt wirken und unschöne Umrisse hinterlassen. Fast jeder gute Aquarellfarben-Hersteller bietet Farben sowohl aus dem Study als auch aus dem Professional Segment an. Mein Tipp: Starte mit dem Study Segment und erweitere dein Sortiment nach und nach mit Professional Farben. Und wie immer gilt: Qualität vor Quantität! Mit weniger guten Farben kannst du eine enorme Bandbreite an Farben erhalten, indem du sie mischst.

Näpfchen oder Tuben?

Klassischerweise findet man Aquarellfarben hauptsächlich in zwei Formen: In „fester“ Form als Näpfchen (die du in einen Aquarellkasten klemmst) oder in „flüssiger“ Form als Tuben. Hier stellt sich die Frage: Was unterscheidet Näpfchen und Tuben? Und was eignet sich wofür?

Grundsätzlich ist wichtig zu verstehen, dass sich die Pigmentierung der Farben in Näpfchen- oder Tubenform nicht unterscheidet. Eine Farbe X von Hersteller Y hat also in Näpfchen- oder Tubenform die exakt gleiche Menge an Pigment. Näpfchen eignen sich aufgrund ihrer Festigkeit gut zum Transportieren (z.B. zum Malen im Freien oder im Urlaub). Außerdem kannst du die Näpfchen nach Gebrauch trocknen lassen, sodass du ungenutzte Farbe nicht entsorgen musst. Tuben wiederum sind praktisch für einen Farbauftrag auf großen Flächen (z.B. große Hintergründe oder Landschaften). Der einzige „Nachteil“ von Tuben im Vergleich zu Näpfchen ist also, dass man einen größeren Farbverschleiß hat, da man beim Anmischen der Tubenfarbe durch dessen flüssige Konsistenz automatisch mehr Pigment verwendet. ABER dagegen gibt es einen Trick: Anstatt die Tubenfarben direkt aus der Tube zu verwenden, kannst du etwas Farbe aus den Tuben in eine leere Palette geben und diese trocknen lassen. Dann verhält sich deine Tubenfarbe (im getrockneten Zustand) genau wie die Näpfchen.

Weitere Formen

Es gibt auch weitere Formen von Aquarellfarben wie beispielsweise Aquarell Marker, Aquarell Sticks, Aquarell Buntstifte oder flüssige Aquarellfarben (z.B. von Ecoline). Ich empfehle dir jedoch, dich zu Beginn auf die Näpfchen oder Tuben zu konzentrieren.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Wasserfarben und Aquarellfarben?

Wasserfarben sind deckender und bestehen aus weniger bzw. günstigeren Pigmenten. Du bekommst damit die aquarelltypischen Transparenzen und Verläufe nicht so schön hin, wie mit Aquarellfarben.

Meine Empfehlungen für Aquarell Farben:

Starte mit einem kleinen Aquarellkasten aus der Qualitätsstufe 2. Die Cotman Sketchers Pocket Box mit 12 Aquarellfarben von Winsor & Newton* ist meiner Meinung nach ein wunderbares und preisgünstiges Einsteigerprodukt!

Später kannst du auch zu Farben aus dem Professional Segment greifen. Ich persönlich arbeite am liebsten mit den Winsor & Newton Professional Aquarell Tuben. Weitere Qualitätsmarken für wirklich hochwertige Aquarellfarben sind zum Beispiel Schmincke (Horadam Serie), Sennelier oder Kremer Pigmente.

Eine Neuentdeckung, in die ich mich gleich verliebt habe, sind die metallischen Aquarellfarben aus der „Pocket Box Metallic Edition“ von Van Gogh*.


Aquarell MAterial für Anfänger

Zubehör für Aquarell Anfänger

Abgesehen von der Grundausstattung an Aquarell Papier, Aquarell Pinseln und Aquarell Farben, gibt es ein paar weitere Dinge, die du dir für den Einstieg in die moderne Aquarell Malerei zulegen solltest: Für Skizzen brauchst du einen Bleistift in Stärke HB und einen Radiergummi. Außerdem brauchst du zwei Wassergläser, ein Stofftuch zum Abtropfen von zu viel Wasser am Pinsel (alternativ aber weniger umweltfreundlich Zewa), eine saubere Mischpalette sowie Malerkrepp oder Masking Tape zum abkleben deines Aquarellpapiers.

Zusammenfassung: Grundausstattung für Aquarell Anfänger

Jetzt hast du erstmal einen guten Überblick über Aquarell Material für Anfänger bekommen. Hier findest du nochmal zusammengefasst die absolute (minimale) Grundausstattung, die du für den Einstieg brauchst:

Möchtest du alle meine Empfehlungen als praktisches PDF für unterwegs? Dann lade dir hier meinen kostenlosen Watercolor Material Guide für Beginner herunter. Klicke dazu einfach auf das Bild:

Freebie Watercolor Material Guide

Ich hoffe, du konntest dir mit diesem Beitrag einen guten Überblick über Aquarell Material für Anfänger verschaffen! Hast du Lust bekommen, direkt loszulegen? In Zukunft wird es hier auch immer wieder Tipps zu Aquarell Malerei geben! :)

*Das ist ein Affiliate-Link. Wenn du Produkte über diesen Link bestellst, bekomme ich eine kleine Provision dafür. Du zahlst aber den gleichen Preis, wie sonst auch, also für dich kein Unterschied, außer, dass du mich unterstützt :)

15 Antworten

  1. Hallo Lea, kannst Du mir sagen ob ein älterer Pelikan Wasserfarben Kasten auch für den Anfang funktionieren kann?

    1. Hi Petra, Wasserfarben sind keine Aquarellfarben. Sie sind deckender, deshalb kann man damit leider nicht die schönen aquarelltypischen Verläufe hinbekommen. Du kannst natürlich auch ein bisschen mit den Wasserfarben rumprobieren, aber für Aquarell brauchst du dann doch Aquarellfarben 🙂

  2. Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps! Als Anfängerin in dem Gebiet war ich zunächst total erschlagen von dem breiten Angebot im Netz. Dank deines Artikels habe ich nun eine gute Orientierung. :)

  3. Hallo, Lea,

    ich möchte demnächst mit der Aquarellmalerei beginnen und bin froh, dass ich hier deine Vorschläge zum Einstieg gefunden habe!!Toll!!

  4. Ich hatte vor vier Jahren mit Aquarellmalerei begonnen und den grossen Fehler gemacht, dass ich die Materialien beim Discounter gekauft hab. Der Spaß war schnell vorbei;-(

    Darum rate ich jedem, der sich ernsthaft mit Kunst beschäftigt, davon ab auf Discounter- oder Baumarktprodukte zurück zu greifen. Die Qualität dieser Materialien ist in der Regel so schlecht, dass man diese allenfalls Kindern zum “Spielen” zumuten kann.

  5. Vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Das hilft wirklich sehr bei der Auswahl der Materialien :)

  6. Liebe Lea, Hallo und Guten Tag,
    ich habe eine Frage zu den Aquarell-Pinseln:
    Nach meinem subjektiven Empfinden sind Echthaar-Pinsel so sehr weich (dfast schon zu weich) so dass es mir zumindest schwer fällt, damit die Farbe auf das Papier aufzutragen. Wahrscheinlichg liegt das überwiegend daran, dass ich noch ziemlich unerfahren und noch sehr am Anfang mit dem Aquarell-Malen bin. Ist mein Eindruck / meine “Mal-Empfindung” für Sie verständlich / nachvollziehbar? Oder sind die Kunsthaar-Pinsel etwas “steifer” und lassen sich auf dem Malgrund (zumindest für einen Anfänger wie ich) besser führen? Können Sie mir diesbzgl. bitte einen Rat geben.
    Danke im Voraus und freundliche Grüße
    Günther

  7. Hallo,
    ich möchte meinem Enkel einen Aquarellmalkasten schenken. Er i interessiert sich sehr dafür. Er ist 7 Jahre alt.
    Wozu kanngeraten werden.
    Da kDorothea

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